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Bergans Geschichte 1908 bis 2008

Bergans hat seinen natürlichen Platz in Norwegens Geschichte.

 

Tragekultur in Norwegen

Ausgehend von der Tradition der Norweger, Dinge tragend zu transportieren, blicken wir auf eine ausgereifte Tragekultur mit unterschiedlichsten Rucksack- und Tragesystemen zurück, die kaum ein anderes Land vorweisen kann. Als Norweger brauchen wir uns nicht in die USA zu bemühen, um dort indianische Tragegestelle zu studieren, denn Entsprechendes nutzte man schon früh auch in Norwegen – im Innern der Fjordlandschaft und in den Tälern weit im Osten des Landes. Wir müssen nicht Jack Londons Helden nach Alaska folgen, denn die Frauen in Smoldalen trugen ihre Einkäufe und somit vergleichbare Lasten 20 km weit durch die Wildnis. Und der Chilcoot Pass ist auch nicht steiler als der Aufstieg für so manchen Fjordbauern zur Alm.

 

Wir brauchen nicht die Alpen zu durchforsten, um traditionelle Tragesäcke ohne Gestell ausfindig zu machen – denn wir hatten den Schneehuhnsack. Ole F. Bergan kombinierte ihn mit seinen Erkenntnissen über Holzrahmen, Rückengestelle und Ranzen aus Birkenrinde, und führte dabei neue Materialien ein. Das Unternehmen „Bergans Meis og Ryggsekk“ entstand so auf der Basis einer traditionellen Trage- kultur, die vom richtigen Mann zur richtigen Zeit weiterentwickelt wurde.

 


 

Der Beginn einer abenteuerlichen Industriegeschichte in Norwegen

 

Ole F. Bergan und Sverre Young

Ole F. Bergan (1876-1956) brachte während seiner Laufbahn zahlreiche Erfindungen hervor, von denen er 45 patentieren ließ. Unter anderem gehören hierzu die erste Step-in-step-out-Skibindung, eine elektrische Harpune für den Walfang, ein Holzschlitten mit Bremse und ein ventilloser Verbrennungs- motor. Eine Erfindung sollte den Namen Bergan jedoch in aller Welt bekannt machen – der Rucksack mit Tragegestell. Die Idee hierfür entstand 1908 während eines Jagdausfluges im Skrimfjellet, wo Bergan einen Wacholderzweig in der Form seines Rückens bog, um dem Rucksack die richtige Passform zu geben. Nach diesem „Prototyp“ entwickelte er das Tragegestell, wobei statt des Zweiges leichte Stahlrohre und Riemen zum Einsatz kamen. Der damalige Grundgedanke, dass der Sack nach dem Körper geformt und so nahe wie möglich am Körper getragen werden soll, spiegelt sich in den modernen anatomischen Rucksäcken noch heute wieder.

 

Sverre Young, Großhändler aus Christiania, wusste das Patent des Tragegestells von Bergan zu schätzen. Nachdem er einige Jahre mit Ole zusammengear- beitet hatte, erwarb er es für 1.500,- Kronen. Gleich anschließend konnte er einen Großauftrag der tschechoslowakischen Armee einhandeln, an die er eine umfangreiche Partie Rucksäcke lieferte. Obwohl Eigentümer des Patents, fuhr er eigens nach Tønsberg, um den Gewinn mit dem Erfinder zu teilen. Ole F. Bergan schlug das Angebot mit den Worten aus: „Ein Handel ist ein Handel”. Sverre Young war selbst aktiver Produktentwickler, der laufend nach neuen Lösungen suchte. Seine bekannteste Erfindung ist ein Gleitrollensystem für Rucksäcke (1934 eingeführt).

 

Er engagierte später – vermutlich als welt- weit erster in der Rucksackbranche – einen eigenen Produktentwickler. Sverre Young war auf mehreren Gebieten sehr erfolgreich, der Youngstorvet in Oslo wurde daher nach ihm benannt.Während der Laufzeit des Patents von 25 Jahren war das Unternehmen weltweit konkurrenzlos unter den Ruck- sackherstellern. Kein Mitbewerber war in dieser Zeit in der Lage, einen Rucksack zu entwickeln, der es mit der Konstruktion von Bergan aufnehmen konnte. Danach war das Patent zur allgemeinen Verwendung freigegeben. Die Unternehmensgeschichte von Bergans ist die eines Begriffs, der ein ganzes Jahrhundert lang auf internationaler Ebene den Standard für Rucksäcke definierte.

 

Ole F. Bergans Rückentragegestell war eine Konstruktion aus Stahlrohren, die den Rücken gegen den Inhalt des Rucksacks polstern und den Tragekomfort so verbessern sollte. Sie stellte eine Weiterentwicklung der bislang genutzten Rahmen aus Holz oder Birkenrinde dar. Neu an der Konstruktion war, dass Sack, Riemen und Gestell eine Einheit bildeten. Das Gestell be- stand aus Stahlrohren, die nach der Form eines früher üblichen Schlüssellochs gebogen wurden, mit etwas stärker gespreizten Ständern. An die Ständer wurde ein Bügel geschweißt, der oberhalb der Hüfte seitlich um den Körper nach vorne lief. Der Bügel fungierte teils als „Ablage“ für den Rucksack, teils als Unterstützung der Hüfte. Der Sack wurde am oberen Ende des Gestells aufgehängt und mit Riemen am Hüftbügel fixiert.

 


 

Internationale Auszeichnungen und Testsiege

Internationale Auszeichnungen und Testsiege

Bergans wurde im Laufe der Unternehmensgeschichte viel Ruhm und Ehre zuteil.Als das Patent für die Erfindung desTragegestells 25 Jahre nach Registrierung auslief, wurde Bergans weltweit kopiert. In zahlreichen Ländern (u.a. USA, Niederlande und China) wurde der Name Bergans zum Synonym für den Rucksack schlechthin. Sogar im Websters Dictionary findet man den Begriff ”bergans” mit „Ruck- sack“ übersetzt. Die USA lehnten zunächst die Genehmigung der Warenmarke „Bergans“ ab, weil sie der Auffassung waren, es sei nicht zulässig, die allgemeine Bezeichnung eines Gebrauchsgegenstandes für eine exklusive Warenmarke zu verwenden.
Bergans nahm bei zahlreichen Produkttests im In- und Ausland Spitzenplätze ein. Allein 2002 gingen 8 Bergans-Rucksäcke und die Jacke Breheimen als Testsieger hervor.

 

 

 


 

Verteidigung und Spezialtruppen

Bergans liefert diverse Produkte für das Militär – von Spezialanfertigungen für den Materialtrans- port bis hin zu Kampf- und splittersicheren Westen. Am bekanntesten sind die Rucksäcke, die schon vor dem Ersten Weltkrieg in hoher Stückzahl geordert wurden. Sie wurden auch im Zwei- ten Weltkrieg eingesetzt – in Europa und Indochina. Das Modell Falketind, 1950 eingeführt, ist noch heute das Standardmodell der norwegischen Armee. Seit der Jahrtausendwende liefert Bergans Ausrüstungskomponenten an Spezialtruppen in Europa, Asien und den USA.

 

Rückentragen

Rückentragen

Mitte der 30-Jahre experimentierte man mit Tragegestellen für Kinder, bei denen das Kind auf einem Stuhl saß, der an einen traditionellen Bergans-Rahmen geschweißt war. Das Kind saß mit den Beinen nach vorne gerichtet, der Schwerpunkt der Last lag daher weit hinter dem Rücken des Trägers. In den 50-er Jahren saß das Kind mit dem Rücken zum Träger, wodurch der Schwerpunkt näher an den Rücken des Trägers rückte. Erst in den 70-er Jahren entstand der “Reitsattel”. 1973 eingeführt, wurde ihm hohe Auf- merksamkeit zuteil, da das Kind nun in Bewegungsrichtung blicken konnte. Zwischen Träger und Kind war nun ein intensiver Kontakt möglich,Touren mit Kindern erhielten daher eine völlig neue Qualität.

 

 

 


 

Bergans 1908 - 2008


Die Weltgeschichte zeugt von zahlreichen Ideen, die so bestechend einfach sind, dass man mit Verwunderung erkennt, wie innovativ Gedanken sein können. Die Gabe von Erfindern, kreative Lösungen zu suchen und der Wille, etwas noch nie dagewesenes zu schaffen, sind die konstanten Triebfedern unserer Entwicklung.


Ole F. Bergan konnte als aktiver Wanderer und Jäger am eigenen Körper erfahren, dass die damaligen Rucksäcke bei schweren Lasten dem Rücken zuweilen arg zusetzten. Diese Erfahrung mündeten in die Idee, sich den Rucksack einfach "anzuziehen" und ihn zu stabilisieren, um ihn so bequemer tragen zu können. Diese einfache Idee wurde zu einem Rucksack mit bahnbrechen- den Komponenten weiterentwickelt, die noch heute die Grundlage für unsere modernen Rucksäcke bilden.


„Keine meiner Ideen stellte sich zufällig ein – allen lag harte Arbeit zugrunde.”
Thomas Edison

 

Hinter jeder Innovation liegen in der Regel ein Bedürfnis und eine Funktion. Der Rucksack erweckte so großes Aufsehen, dass er bald zum selbstverständlichen Ausrüstungsbestandteil für Jagdausflüge, Expeditionen und militärische Operationen im In- und Ausland avancierte. Bergans wurde zur Warenmarke, die Qualität verkörperte und weltweit mit Preisen ausgezeichnet wurde. Eine gute Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung!


„Wer sich nicht für den nächsten Schritt entscheidet, bleibt sein Leben lang auf einem Bein stehen.“
Kinesisk ordspråk

 

Bergans fußt auf stetiger Innovation. Dieser Grundsatz prägt die hundertjährige Unternehmensgeschichte. Das umfangreiche, qualitätsorientierte Produktsortiment ist der beste Beweis, dass Bergans nie vorhatte, zögernd auf einem Bein zu verharren. Bergans ließ Rucksäcke, Messer, Skier, Zelte, Schlafsäcke, Kanus, Skibindungen, Skistiefel und Tourenkleidung entstehen.Viele dieser Produkte erfreuen sich noch heute bester Nachfrage – sie alle wurden jedoch immer wieder verbessert und weiter- entwickelt.


Möglicherweise verkörpert Bergans einen kleinen Teil der norwegischen Kulturgeschichte.Wer erinnert sich nicht an Ski- touren im Gebirge mit Rucksack und dem roten Anorak, selbstgeschnitzte Weidenflöten mit dem ersten Fahrtenmesser, Sommerferien im Zelt mit der Familie? Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch Bergans-Produkte bei derartigen "norwegischen" Erlebnissen dabei waren.
Heute gehört Bergans zu den weltweit führenden Akteuren im Bereich anspruchsvoller Outdoor-Ausrüstungen und Funktionsbekleidung. Die Zusammenarbeit mit sowohl einfachen Wanderern als auch Extremaktivisten spielt eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung der Produkte von Bergans.

 

Uns ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse von Outdoor- sportlern genau zu prüfen.Wir sehen uns „draußen“ – auch im neuen Jahrhundert der Firmengeschichte werden wir uns "auf Tour" begeben! Schon zu Zeiten des russischen Zaren tauchten Annoncen von „berganski rantsev“ auf.